Immobilienbewertung Verkehrswertermittlung Immobilien Immobilien Markwertermittlung Immobilien Wertermittlung Immobilienschätzung Immobiliensachverständiger Frank Römer


Sachverständige: IHK bestellt die Besten



Sachverständige sind in allen Lebenslagen im Einsatz: ob vor Gericht, bei Versicherungsfällen, in der Wirtschaft, oder im privaten Bereich. Doch Sachverständiger ist nicht gleich Sachverständiger - denn die Berufsbezeichnung ist gesetzlich nicht geschützt, es gibt keine Berufsausbildung zum Sachverständigen. Das bedeutet, dass sich jeder auf Sachgebieten, in denen es keiner gesetzlichen Zulassung oder Anerkennung bedarf, als Gutachter betätigen kann.

Als allgemein und gerichtlich anerkanntes Qualitätsmerkmal gilt die öffentliche Bestellung und Vereidigung, wie sie beispielsweise von der IHK-Organisation übernommen wird. Nur dieser Personenkreis darf sich anschließend "öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger", kurz ö.b.u.v. Sachverständiger, nennen.

Die öffentliche Bestellung hat ihren historischen Ursprung im frühen Mittelalter. So sind Gerichte gehalten, Beweisfragen durch ö.b.u.v. Sachverständige klären zu lassen. Für andere Institutionen oder Privatkunden sind die ö.b.u.v. Sachverständigen eine verlässliche, nachvollziehbare Qualitätsorientierung.

Ein Ritterschlag für Experten

"Als ö.b.u.v. Sachverständige haben nur die Besten ihres Fachs eine Chance.

Das bedeutet, sie zeichnet besondere Sachkunde, Vertrauenswürdigkeit und Objektivität aus", sagt Andrea Wensch, Geschäftsführerin der IHK für Rheinhessen. Das wird nicht nur vor der ersten Bestellung und Vereidigung überprüft, sondern alle fünf Jahre erneut abgefragt. Wichtig auch: Die Bestellung und Vereidigung ist personengebunden und gilt nicht für das Unternehmen, in dem der Sachverständige arbeitet.

Der Sachverständige wird darauf vereidigt, seine Aufgaben gewissenhaft, weisungsfrei und persönlich zu erfüllen sowie seine Gutachten unparteiisch zu erstatten. Er hat die Pflicht zur Gutachtenerstattung, wenn er dazu vom Gericht bestellt wird, und er unterliegt der Schweigepflicht, solange diese nicht von Gerichtswegen aufgehoben wurde.

Von der IHK öffentlich bestellte Sachverständige werden von dieser beaufsichtigt. Die IHK kann ihnen die Bestellung entziehen, wenn sie ihre Sachverständigenpflichten verletzen. Nur solche Sachverständige, die öffentlich bestellt und vereidigt sind, dürfen diesen Titel führen und erhalten einen Rundstempel. "Ist ein Sachverständiger nicht öffentlich bestellt, sollten Auftraggeber genau hinschauen, welche Qualifikation der Sachverständige mitbringt", rät die IHK-Geschäftsführerin.

Derzeit gibt es in Deutschland 7.151 ö.b.u.v. Sachverständige, die von der IHK-Organisation in rund 270 Sachgebieten bestellt sind. Zur IHK für Rheinhessen gehören 70 ö.b.u.v. Sachverständige aus 45 verschiedenen Bestellungsgebieten.

Wenn Gerichte, Unternehmen, Institutionen oder Privatpersonen auf der Suche nach einem geeigneten Sachverständigen sind, können sie bei der IHK nachfragen. "Da es oft schwierig ist, einen passenden Sachverständigen für ein spezifisches Problem zu finden, übernimmt die IHK für alle Anfragenden gerne diese Recherche", so Wensch.

2010 hat die IHK für Rheinhessen 996 Sachverständige benannt, 2011 waren es bereits 1.046.

Die Nachfrage nach qualifizierten Experten steigt, vor allem weil Sachverhalte immer komplexer werden und die Auftraggeber auf Nummer sicher gehen wollen. Die meisten Sachverständigen werden für die Bereiche "Bewertung von Immobilien", "Schäden an Gebäuden" sowie "Kraftfahrzeugschäden und Kraftfahrzeugbewertung" gesucht. Wensch ermuntert Experten auf ihrem Sachgebiet, den Weg der öffentlichen Bestellung zu gehen.

Das Qualitätssiegel "ö.b.u.v. Sachverständiger" bringt auf dem undurchsichtigen Markt der Gutachter nur Vorteile, was die befragten Sachverständigen jederzeit bestätigen.

Bestellung von Sachverständigen

Will ein Sachverständiger öffentlich bestellt werden, so muss er der IHK nachweisen, dass er über Fachkenntnisse verfügt, die erheblich über dem Durchschnitt liegen. Praktische Erfahrungen und die Fähigkeit, Gutachten zu erstatten und beispielsweise auch schiedsgutachterliche Tätigkeiten zu übernehmen, sind weitere fachliche Voraussetzungen. Auch muss für das beantragte Sachgebiet ein Bedarf an Sachverständigenleistungen bestehen.

Neben weiteren Voraussetzungen hinsichtlich der persönlichen Eignung müssen Sachverständige, die die öffentliche Bestellung beantragen, auch in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

Gab es über viele Jahre hinweg in den Sachverständigenordnungen der Bestellungskörperschaften noch generelle Höchstaltersgrenzen für die öffentliche Bestellung, so sind diese durch das Bundesverwaltungsgericht am 1. Februar 2012 (Az.: BVerwG 8 C 24.11) für unzulässig erklärt worden. Die Sachverständigenordnungen werden von der IHK-Organisation derzeit überarbeitet. Die Vollversammlung der IHK für Rheinhessen wird im September über eine neue Sachverständigenverordnung entscheiden.


Quelle:
Report, Wirtschaftsmagazin der Region Rheinhessen 6/2012, Mitgliedermagazin der IHK für Rheinhessen
Mit freundlicher Genehmigung: IHK Rheinhessen 06/2012, Titel 12, Gabi Rückert